Café Milch-Bar   

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Milch schlürfen, wo Kinder alles dürfen

 

Kennen Sie das? Nach monatelanger Babypause verabreden Sie sich endlich mal wieder mit Freunden - kindertauglich, nachmittags - auf einen Kaffee. Im halbwegs akzeptablen Nichtraucherbereich eines Innenstadt-Lokals, endlich mal wieder mit großen Leuten reden...

 

Ihr Dreijähriger sitzt ausnehmend adrett bei Tisch, der Einjährige kokettiert in seinem Hochstuhl mit den älteren Damen am Nebentisch. Friede, Freude, Eierkuchen. Nein, Apfelstrudel. Nein, Schokoladentorte. Nein, doch Guglhupf. Da sind aber Rosinen drin. Große Unterlippe ihres Dreijährigen. Ich mag Schokokuchen! Du hast aber doch gerade gesagt Guglhupf. Nein, ich mag nicht, ich mag Schokokuchen. Das ist grauslich - der Guglhupf wird empört zur Seite geschoben. Der Kleine erkennt seine Chance und bohrt seinen dicken Zeigefinger in des Bruders Guglhupf.

 

Kaaaaaputt! Kaaaaaputtttt! Die Empörung wächst. Die des Dreijährigen, die der anderen Kaffeehausbesucher sowieso. Um die Situation zu kalmieren wird der Guglhupf dem Kleinen überlassen, der ihn genauestens auf Konsistenz und Bröseltauglichkeit untersucht und dabei auch noch Objektpermanenz erlernt: Ja, die Bröseln bleiben wirklich am Boden liegen. Und der größere Kleine bekommt den Schokokuchen.

Ach ja, wo waren wir stehen geblieben? Was hattest Du gerade gesagt?

 

Der Kleine hat keine Lust mehr im Hochstuhl zu sitzen. Eigentlich verständlich. Wenn man gerade gehen gelernt hat, ist nichts langweiliger als in einem Hochstuhl zu sitzen. Er macht seinem Unmut über die faktische Fesselung durch ein stets lauter werdendes höööö, hööö, määää Luft. Die Damen vom Nebentisch finden ihn jetzt nicht mehr ganz so charmant. Der Kleine wird aus dem Hochstuhl befreit, der Große wischt derweil seine Schoki-Finger in die Sitzbank.

 

Der Kleine wackelt hingebungsvoll durchs Lokal - ab in die Raucherzone. Nein, nein. Der Große hat ein Faible für bunte Taschen. Hast Du keine Erziehung genossen? Das gehört sich nicht, in fremde Taschen schauen, wird er gemaßregelt. Der Kleine inspiziert Küche und Schank und wird umgehend hinausexpediert. Er probiert es noch ein, zwei Mal, schließlich gibts hier ja sonst nix zu tun für ihn. Kurz darauf hat er entdeckt, dass Sessel-Rücken ganz lustig laut ist. Der Große findet das auch lustig, außerdem baut er gerne "Absperrungen". Die Kellner wirken schon etwas angespannt. Der Kleine heult, weil er durch die Absperrung des Großen nicht mehr durchkommt. Ich bin sowieso schon lang entnervt, weil ich, statt mich zu unterhalten, ständig hinter meinen Kindern drein bin, also verlassen wir das Lokal. Nächstes Mal können wir uns dann hoffentlich besser unterhalten... 

 

Zugegeben, ganz so schlimm ist es nicht immer. Aber auf mehr als einen 30-minütigen Kaffeehausbesuch ohne Stress sind wir in unserer Elternzeit (mit zwei Kleinkindern) nicht gekommen. Und dabei könnte es doch eigentlich funktionieren, vorausgesetzt das Angebot für große und kleine Leute stimmt gleichermaßen. Leider gibt es kaum so ein Angebot in Wien. Dem grellbunten Charme von Indoor-Spielplätzen können wir wenig abgewinnen, abgesehen davon, dass es dort meist so laut ist, dass eine normale Unterhaltung ohnehin nicht möglich ist. Ikea, Leiner, Lutz und Kika sind eben doch eher Einrichtungshäuser und in den wenigen Lokalen mit Kinderspiel-Ecke haben wir die Zeit unserer Verabredungen letztlich immer mit den Kindern (im räumlich abgegrenzten) Spielbereich sitzend - ohne Kaffee und Kuchen - verbracht.

Also halten wir es mit Silbermond und haben beschlossen: Machs Dir selbst, besser gehts nicht... Die Milch-Bar